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Verhältnis zwischen Demokratie und Monarchie bzw. Theokratie

In der Betrachtung des Laufs der Geschichte der verschiedenen Völker können weltweit Regelmäßigkeiten im Wechsel der Herrschaftsformen beobachtet werden. Meist ist der Wechsel von einer direkten Demokratie in eine Theokratie, dann in eine Monarchie und dann in eine repräsentative Demokratie mit einem Parlament zu beobachten.

Demokratie in den Stammesgesellschaften

Die Völker haben ihren Ursprung oft in Stämmen. Stammesgesellschaften werden typischer durch die Mitglieder der Gemeinschaft, oftmals in direkter Abstimmung über einzelne Sachfragen, organisiert. Die Germanischen Stämme organisierten Versammlungen aller freien Männer an Thingstätten. Die Thinge waren Versammlungen im Freien und dienten für politische Entscheidungen und Gerichtsprozesse. Die antiken Griechen in Athen hielten Volksversammlungen aller freien Bürger Athens auf der Pnyx, einem Hügel westlich der Akropolis, ab. Auch dort wurden politische Entscheidungen getroffen und Gerichtsprozesse durchgeführt. Die Sioux waren eine Gruppe von sieben Stämmen, die jeweils in mehreren Dörfern lebten. Bei den Sioux waren alle erwachsenen Männer Teil des Dorfrats. Die Dorfräte entsandten Vertreter in den Stammesrat der verschiedenen Stämme. Diese wiederum wählten einen Stammeshäuptling, der Mitglied des Očhéthi Šakówiŋ (Sieben-Feuer-Rat) war. Im Očhéthi Šakówiŋ wurden politische Entscheidungen für die Stämme der Sioux getroffen.

Die Volksversammlungen fanden teilweise nur alle paar Jahre statt und dann meist über mehrere Tage statt, weil sie sehr aufwendig waren. Dazu mussten alle Männer aus dem gesamten Stammesgebiet zu Fuß an den Versammlungsort kommen.

Umwandlung in Monarchien oder Theokratien

In den Stammesgesellschaften wurden für Kriegszeiten für einen bestimmten Zeitraum Häuptlinge oder Könige gewählt. Es konnte auch Häuptlinge für bestimme Aufgaben, zum Beispiel Jagdhäuptlinge für die Jagd geben. Mit zunehmender Größe der Stämme und des Stammesgebiets, wurden die Häuptlinge oder Könige dann auf Lebenszeit gewählt. Da die Könige aber gleichzeitig meistens auch für religiöse Aufgaben zuständig waren, waren die Könige auch gleichzeitig das religiöse Oberhaupt. Sie mussten daher auch die Zustimmung und Segnung der wichtigsten religiösen Personen erhalten. In vielen Völkern haben aber auch die wichtigsten religiösen Personen direkt den Anführer gewählt, die dann als geistliches und weltliches Oberhaupt, das heißt als Theokrat regierten. Die ersten Herrscher waren oft gewählte Herrscher, die zunehmend aus einer kleinen Gruppe von Personen stammte und durch eine kleine Gruppe von Personen gewählt wurde. Diese Wahlmonarchien wurden nach einigen Generationen in Erbmonarchien umgewandelt. So genauso bei den Theokratien, wie es beispielweise bei den Pharaonen in Ägypten zu beobachten war. Erbmonarchien erwiesen sich als deutlich stabiler, da bei jeder Wahl eines Thronfolger Fraktionskämpfe zwischen den wenigen, mächtigen Wahlberechtigten drohten und die gewählten Monarchen oft stark von den Kurfürsten, Thronräten oder ähnlichen abhängig waren. Eine klare Erbfolge legte dagegen schon sehr früh die Nachfolge fest und wurde seltener in Frage gestellt.

Die Monarchien waren dann durch technologische Entwicklungen in Waffentechnik, militärischer Organisation und Militärführung in der Lage, das beherrschte Gebiet deutlich auszuweiten. So wurden bis 221 vor Chr. durch den Staat Qin die übrigen sechs chinesischen Königreiche erobert und weitere Gebiet eingenommen, die sich mit etwa 2,3 Mill. km² über etwa ein Viertel des heutigen chinesischen Staatsgebiets erstreckten. Mit der darauffolgenden Qin-Dynastie begann das chinesische Kaiserreich. Alexander der Große eroberte bis 324 vor Chr. ein Gebiet von Griechenland bis zum heutigen Pakistan und bis Ägypten mit einer Fläche von etwa 5,2 Mill. km². Die Römer eroberten bis 395 den gesamten Mittelmeerraum, sowie Westeuropa mit einer Fläche von etwa 6,5 Mill. km². Das Kalifat der Umayyaden erstreckte sich 740 von Spanien über Nordafrika bis zum heutigen Pakistan auf einer Fläche von 11,1 Mill. km². Das Mongolische Reich wurde unter Dschingis Khan, Ögedei Khan, Güyük Khan und Möngke Khan von 1190 bis 1260 von Ostasien bis nach Westeuropa auf eine Fläche von etwa 24 Mill. km² ausgedehnt.

Solche Reiche waren nur noch mittels Monarchien bzw. Theokratien beherrschbar, weil mit dem damaligen technologischen Stand die Kommunikation und die Diskussion über verschiedene politische Positionen und eine anschließende Abstimmung über eine Entscheidung zu politischen Themen mit allen Bürgern sowohl in überschaubarer Zeit nicht mehr möglich als auch zu teuer war. Demokratisch regierte Stämme und Stadtstaaten verschwanden allein dadurch, weil sie von den mächtigen Reichen eingenommen wurden. Eine Öffentliche Ordnung war teilweise nur schwer durchsetzbar. Es entwickelte sich daher oft ein Feudalsystem, bei dem die beherrschten Gebiete an Vasallen verliehen wurden, die diese auch wieder an ihre Vasallen verleihen konnten. Als Gegenleistung musste oft militärischer Beistand geleistet werden. Die Öffentliche Ordnung wurde lokal organisiert. Der oberste Herrscher war vielen Menschen nur durch Erzählungen bekannt. Die Legitimität der Herrschaft des obersten Herrschers war religiös begründet. In China hatte der Kaiser das „Mandat des Himmels“, die japanische Kaiserdynastie stammte vom Gott Amaterasu ab, in Indien war der König eine Inkarnation eines Gottes, zum Beispiel des Gottes Vishnu, in Europa waren die Herrscher von Gottes Gnaden, die Herrscher der Familie der Umayyaden und der Familie der Abbasiden waren jeweils Verwandte von Mohammed, dem Gesandten des Gottes Allah und Gründer des Islams, die Herrscher der Maya und Azteken waren die Vertreter der Götter auf Erden. Die Legitimität der obersten Herrscher stellte somit niemand in Frage und die lokalen Herrscher erhielten ihre Legitimität am Ende vom obersten Herrscher.

Übergang von der Monarchie in Demokratie

Mit steigendem technologischen Fortschritt und als Folge einer steigenden Wirtschaftsleistung und höherem Steueraufkommen sank die Abhängigkeit der obersten Herrscher von ihren Vasallen. Das Feudalwesen wurde beendet, die Eintreibung der Steuern zentralisiert und die Macht des obersten Herrschers gestärkt. Die öffentliche Ordnung wurde zunehmend durch Gesetze und Gerichte beschrieben, die vom obersten Herrscher und nicht mehr vom lokalen Herrscher stammten bzw. ihm unterstellt waren. Damit wurde das Justizwesen und die Sicherstellung der inneren Sicherheit deutlich gestärkt werden. Eine starke Justiz ist wiederum notwendig, um die irreguläre Übernahme der Regierung zu verhindern und um Wahlfälschungen zu ahnden.

Mit der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern in Europa durch Johannes Gutenberg 1450 war die Entwicklung von Zeitungen möglich. Damit konnten größere Bevölkerungen in weiträumigen Gebieten über aktuelle politische Geschehnisse mit geringen Kosten informiert werden. Auch die Information und Diskussion über die Sichtweisen auf verschiedene politische Themen von unterschiedlichen Personengruppen war kostengünstig möglich. Die erste Zeitung erschien 1605 mit der deutschen Wochenzeitung „Relation aller Fürnemmen und gedenckwürdigen Historien“ in Straßburg. Weitere Zeitungen in Europa folgten. Die erste Tageszeitung erschien 1650 mit der deutschen Zeitung „Einkommende Zeitungen“ in Leipzig. Die erste amerikanische Zeitung war die englische Zeitung „The Boston News-Letter“ aus Boston. Die erste afrikanische Zeitung war 1828 die arabisch-türkische Zeitung „وقایع مصریه“ [„Vekâyi-i Mısriyye“]. In China wurde der Buchdruck mit beweglichen Lettern zwar etwa um 1041 von Bi Sheng entwickelt, jedoch konnte er sich dort lange Zeit nicht durchsetzen. Die erste Zeitung in China erschien 1845 mit der englischen Zeitung „The China Mail“ und 1853 mit der chinesischen Zeitung „遐邇貫珍“ [engl. „Chinese Serial“] in Hong Kong. In Korea wurde 1372 das Buch „백운화상초록불조직지심체요절“ [„Anthologie von den Lehren des Zen der großen buddhistischen Priester“] mit beweglichen Lettern gedruckt. Aber auch dort setzte sich das Druckverfahren kaum durch. Die erste Zeitung Koreas war die in Chinesisch und Japanisch geschriebene „朝鮮新報“ [„Koreanische Zeitung“] ab 1881.

Mit der Entwicklung des Rundfunks und später des Fernsehfunks konnte die Verbreitung von Informationen über aktuelle Ereignissen sowie die öffentliche Diskussion politischer Themen nochmals deutlich vereinfacht und beschleunigt werden.

Parallel mit der Entwicklung des Buchdrucks und der Veröffentlichung von Zeitungen begann in Europa und Nordamerika das Zeitalter der Aufklärung. 1776 wechselte die USA mit der Unabhängigkeitserklärung von Großbritannien zu einer demokratischen Regierung und bildete damit den ersten demokratischen Staat der Neuzeit. Dies war das Ergebnis mehrerer Steuererhöhungen seitens Großbritanniens in den nordamerikanischen Kolonien ohne, dass die Kolonien dazu angehört wurden und einen Kompromiss aushandeln konnten. Das Motto „no taxation without representation“ [„keine Besteuerung ohne Teilhabe“] geht auf eine Regelung zurück, die seit der Magna Charta Libertatum von 1215 in England galt und die die Grundlage für das englische Parlament ab dem 13. Jahrhundert, dem „House of Commons“ und dem „House of Lords“, bildete. 1792 folgte Frankreich mit der Abschaffung der Monarchie nach dem Ende der Französischen Revolution von 1789. In folgenden Jahrzehnten folgenden erst viele weitere europäische und dann weitere Staaten weltweit.

Grundprinzipien des Wandels der Herrschaftsformen

Zusammenhang von Herrschaftsform, Bevölkerungsgröße, Kommunikationsfähigkeit und Güte des Justizsystems
Ob Demokratie oder Monarchie ergibt sich aus dem Zusammenhang von Bevölkerungsgröße, Kommunikationsfähigkeit und dem Grad rechtlicher Ordnung

Die beobachtbare Entwicklung ist der Beginn der Gesellschaften in kleinen Gruppen und der Mitsprache ihrer Mitglieder an politischen Entscheidungen in direkter Demokratie, gelegentlich auch repräsentativer Demokratie. Mit zunehmendem, technologischem Fortschritt konnte vor allem die Wehr- und Waffentechnik weiterentwickelt und damit flächenmäßig große Gebiete erobert und kontrolliert werden. Dies ging mit dem Verlust von Information und der Kommunikation der einzelnen Mitglieder der Gesellschaft einher. Der Verlust an innerer Sicherheit wurde oft durch feudale Gesellschaftsstrukturen ausgeglichen. Darüber hinaus erhielten eroberte Völker oft nur ein geringeres Mitspracherecht an politischen Entscheidungen. Dies führte zu kleinen Bevölkerungsgruppen in der Gesellschaft an politischer Teilhabe. Wahlmonarchien entstanden. Da Wahlmonarchien oft zum Sturz der Herrscher führten, begann der Übergang zu Erbmonarchien, die sich als deutlich stabiler erwiesen. Der weitere technologische Fortschritt in Landwirtschaft, Produktion und Handel führte dann zu höherem Steueraufkommen und daraus zu einer Stärkung der Justiz, zentralistischer Herrschaft und damit einer zentralen Gesetzgebung, stehender Heere unter der Kontrolle des Königs und zu einer starken, stabilen Zentralregierung. Der dann folgende technologische Fortschritt in Buchdruck, Zeitungen und später dem Rundfunk, stärkte wiederum die Kommunikation und die Information für die einzelnen Gesellschaftsmitglieder. Die Monarchen wurden gestürzt und dankten ab. Es bildeten sich daraufhin repräsentative Demokratien. Wenn diese Staaten eine hohe Wirtschaftsleistung aufwiesen, wies die demokratische Regierungsform durch eine starke Justiz und eine starke zentrale Regierung innerhalb eines Staates eine hohe Stabilität gegen Umsturzversuche durch einzelne Akteure auf.


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