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Der Despotismus

Der Despotismus ist eine Herrschaftsform, bei der ein Herrscher willkürlich über ein Volk oder einen Staat herrscht. In der Willkür liegt auch der Unterschied zu einer Monarchie oder einer Diktatur. Ein Despot herrscht, ohne dass Regeln ihn einschränken. Der Begriff des Despotismus wird oft auch in andere Bereiche außerhalb der Staatstheorie auf Familienoberhäupter, Unternehmer, Vereinsvorsitzende und andere übertragen.

Im Gegensatz zur Despotie ist in der Monarchie der Monarch zwar Alleinherrscher, aber an Regeln, wie bspw. eine Verfassung, oder die Interessen anderer Adeliger, wie bspw. einen Thronrat oder Kurfürsten, gebunden. In einer Diktatur ist der Diktator ebenfalls durch Regeln beschränkt. Der Diktator hat im Gegensatz zur Monarchie seine Legitimation zur Herrschaft, nur nicht durch Erbschaft des Throns oder eine Königswahl erhalten. Absolut herrschende Monarchen sind oft Despoten, müssen dies aber nicht sein. Ein absolut herrschender König oder Kaiser kann auch dadurch eingeschränkt sein, dass er historischen oder selbst gesetzten Regeln folgt. Andersherum kann aber auch eine Republik einen Despoten zum Herrscher haben.

demokratischer Despotismus

Im demokratischen Despotismus herrscht eine Gruppe der Bevölkerung willkürlich über eine andere Gruppe, ohne dass die beherrschte Gruppe dies merkt. Der demokratische Despotismus wurde von Alexis de Tocqueville zuerst beschrieben. Er beschrieb die Demokratie in den USA im 19. Jahrhundert. Er sah dort eine zunehmende Individualisierung der Menschen und damit einhergehend einen Rückzug der Menschen aus dem öffentlichen Leben, eine Konzentration auf das eigene Heim und die Familie und einen Rückzug aus der Öffentlichkeit. Damit ging eine Uninformiertheit der Menschen vor allem über Minderheitenmeinungen, ein Ausgrenzen von Bevölkerungsgruppen und eine Spaltung der Gesellschaft einher. Nach Charles Taylor passiert dies über immer stärkeren Zentralismus, die Ausgrenzung von Positionen von Minderheiten und dadurch, eine Spaltung der Bevölkerung, eine politische Zersplitterung der Parteien, Politik für bestimmte, einflussreiche Gruppen und Lobbyisten und die Unfähigkeit, Kompromisse zu schließen.

Beim demokratischen Despotismus besteht die Gefahr einer Diktatur der Mehrheit. Dies kann bestimmte Gruppen der Gesellschaft, beispielsweise Angehörige bestimmter Ethnien, zum Beispiel der Urbevölkerung eines Landes, Angehörige bestimmter Religionen, Menschen im geringem Einkommen und Vermögen, zum Beispiel Bewohner von Slums, oder auch die Vertreter bestimmter politischer Positionen betreffen.

Despoten in der Geschichte

Zu den Despoten in der Geschichte wird beispielsweise Dschingis Khan (circa 1162 bis 1227) gezählt. In eroberten Gebieten ließ er diejenigen hinrichten, die Widerstand geleistet hatten. Dazu ließ er zusätzlich deren Frauen und Kinder hinrichten. Man rechnet heute damit, dass in den eroberten Gebieten etwa ein Drittel der Bevölkerung getötet wurden. Er zerstörte darüber hinaus alte Stammesstrukturen im mongolischen Reich und förderte treue Untergebene indem er feudale Strukturen einführte und treue Untergebene belohnte.

In Russland ließ sich 1547 Iwan IV. Wassiljewitsch (1530 bis 1584), auch Iwan der Schreckliche genannt, zum ersten Zaren von Russland krönen. Paranoid und unter Verfolgungswahn leidend ließ er mehrere Massenhinrichtungen und Massaker durchführen. Er ließ mehrfach öffentliche Folterungen durchführen. Er modernisierte aber auch das Militär, verbesserte die Verwaltung und erweiterte das russische Reich.

In Deutschland herrschte von 1933 bis 1945 Adolf Hitler (1889 bis 1945). Unter ihm wurde eine Rassenideologie verbreitet, bei der vor allem Juden, aber auch Roma und Sinti und andere Personen nichtgermanischer Herkunft verfolgt wurden. Er begann mit dem Überfall auf Polen den Zweite Weltkrieg, mit dem er das deutsche Herrschaftsgebiet vor allem nach Osten erweitern wollte. Im Zweiten Weltkrieg starben etwa 60 Millionen Menschen. Hinzu kamen Massenmorde mit etwa 14 Millionen Toten an Juden, Roma und Sinti, Behinderten, Kriegsgefangenen, Homosexuellen, politischer Häftlinge und anderer.

In der Sowjetunion herrschte von 1927 bis 1953 Josef Wissarionowitsch Stalin (1878 bis 1953). Unter ihm wurde die Industrialisierung der Sowjetunion vorangetrieben. In die Zeit seiner Herrschaft fiel auch die Verteidigung gegen den Angriff seitens des Deutschen Reiches im Zweiten Weltkrieg. Er ließ politische Säuberungen und Massendeportationen durchführen. Vielen Menschen mussten Zwangsarbeit leisten oder kamen in Straf- und Arbeitslager. Es wird geschätzt, dass etwa 15 Millionen bis 20 Millionen Menschen durch seine Herrschaft ums Leben kamen.

In China herrschte von 1949 bis 1976 Mao Zedong (1893 bis 1976). Er führte mit dem Großen Sprung nach Vorn eine Industrialisierung aus der chinesischen Agrarwirtschaft durch. Mit seiner Kulturrevolution zerstörte er einen großen Teil des chinesischen Kulturerbes. Er hat die Gleichberechtigung der Frauen in China vorangetrieben, die Bevölkerung Alphabetisiert und den Lebensstandard der Bevölkerung durch die Industrialisierung deutlich erhöht. Er führte aber auch ein autokratisches und totalitäres Regime mit politischer Verfolgung, Massenhinrichtungen und Arbeitslagern. Unter seiner Herrschaft kamen etwa 20 Millionen bis 50 Millionen Menschen ums Leben. Die meisten starben an Hunger während seiner Industrialisierungskampagne der Große Sprung nach Vorn.

In Kambodscha herrschte von 1975 bis 1979 Pol Pot (1925 bis 1998), oder ursprünglich Saloth Sar. Er war der politische und militärische Führer der Roten Khmer. Mit der Einnahme der Hauptstadt Kambodschas Phnom Penh im Kambodschanischen Bürgerkrieg (1967 bis 1975) durch die Roten Khmer begann man mit der Deportation der Stadtbevölkerung. Beim Versuch, den Kommunismus in Kambodscha einzuführen, kam es zu Massenhinrichtungen, Folter, Zwangsarbeit und Hunger. In der Zeit der Herrschaft Pol Pot kamen etwa ein bis zwei Millionen Menschen der etwa acht Millionen Einwohner ums Leben. Angesichts der großen Anzahl der Toten im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung wird das Vorgehen der Roten Khmer oft auch als Völkermord eingestuft.


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